Vom Kuhhandel zur Erfüllung – die Aufgaben integraler Politik

handel

von Gary Zemp

In seinem Buch «Bewusstheit» führt Jürg Theiler seine Leser zur intuitiven Einsicht, dass der Mensch den Sinn seines Lebens nur leben kann, wenn er die Führung aller Lebensprozesse, die Führung der Psyche, des gesamten geistigen Informationssystems das wir sind, seiner Seele überlässt. Er nennt die Seele auch empathische Intelligenz. Sie ist gleichbedeutend mit der vierten Lebensebene, welche die IP in ihren «Grundlagen integraler Politik die «intuitiv-spirituelle» resp. die «intuitiv-geistige» nennt. Sie arbeitet rezeptiv, also im Empfangsmodus. Um ihre Wünsche und Funktionen zu erkennen, müssen wir uns nach innen wenden, stille werden, uns ihr hingeben. Sie arbeitet sanft und bescheiden, berührt uns und macht bewusst. Sie dient dem Leben.

Ganz anders funktionieren die drei andern Lebensebenen, die wir Menschen mit den Säugetieren gemeinsam haben. Auch sie sind gleichzeitig Intelligenz- und Bedürfnissysteme. So setzt die «Instinkt» genannte Körperintelligenz ihre Wünsche wenn nötig mit roher Gewalt durch, um z.B. Überlebensbedürfnisse zu befriedigen. Die «affektive Intelligenz» scheut sich nicht, ihre emotionalen und sozialen Wünsche mit List und Zwang, mit Tausch und Täuschung, mit Lug und Betrug zum Durchbruch zu verhelfen. Die «rationale Intelligenz» stellt sich gerne in den Dienst der instinktiven und/oder der affektiven Intelligenz und verhilft so zur Realisierung derer Wünsche mit ihren manipulativen, fragmentierenden, kontrollierenden und die Effizienz steigernden Eigenschaften. Ihre Hilfe gewährt sie in bedenkenloser Gleichgültigkeit. Diese drei Intelligenzsysteme verfolgen ihre Wünsche aktiv. Sie wollen sich durchsetzen, sie wollen gewinnen, sie wollen besitzen. Sie wollen konsumieren, erfolgreich sein und bewundert werden. Sie können ihre Fertigkeiten miteinander verbinden. Sie können sich aber auch konkurrenzieren. Sich selbst überlassen sind sie destruktiv. Überlassen wir Menschen die Führung unseres Lebens diesen gierigen und unersättlichen Bedürfnissystemen, zerstören wir uns selbst.

Das Ziel unseres Lebens, den Sinn unseres Lebens, heil und ganz (integral) und erfüllt zu leben, erreichen wir nur, wenn wir unsere Seele, unsere «empathische Intelligenz», die «Intelligenz des Herzens» intuitiv, also durch nach innen gerichtetes Hinhören sicher und zweifelsfrei erkennen und ihr tagtäglich so viele unserer Ressourcen zur Verfügung stellen, dass sie in ihrer bescheidenen, demütigen, ausschliesslich dem Leben dienenden Art die Führung unserer Psyche, also dem geistigen Gesamtsystem, das wir sind, übernehmen kann. Nur die Seele vermag durch ihre sanften, geduldigen, wahrhaftigen und kreativen Wünsche die destruktiven Bedürfnisse der «tierischen» Lebensebenen in konstruktive zu transformieren.

Was für den einzelnen Menschen gilt, gilt auch für unsere Gesellschaft. Sie wird geprägt durch die Überzahl von Menschengruppen, die ihre Seele und damit das System ihrer Psyche noch nicht erkannt haben. Sie leben in grosser Gleichgültigkeit die Bedürfnisse ihrer affektiven und instinktiven Lebensebenen aus, was unweigerlich in die Zerstörung führt.

Was könnte aus dieser Einsicht heraus das Ziel einer kleinen Menschengruppe sein, die sich unter dem Titel «Integrale Politik» zusammengefunden hat? Wohl unbestritten ist ihre erste und vornehmste Aufgabe, einen möglichst grossen Beitrag dafür zu erbringen, dass wir selbst zu unserer und immer mehr Menschen zu ihrer Individualität, d.h. Ungeteiltheit, Ganzheit, Integralität finden,  dass immer mehr Menschen erkennen, dass der Mensch eine Psyche, ein Geist-System ist, das sich in einem Körper manifestiert und nicht ein Körper ist, der mit instinktiven und emotionalen Wünschen und einem teilnahmslos berechnenden Verstand ausgerüstet, rücksichtslos materielle Güter anhäuft. Die Bewusstheit unserer Ganzheit macht uns als Lebewesen erst zum Menschen, der sein Leben erfüllen kann.

Wie könnte aber die zweite Aufgabe lauten, die wir als Kollektiv, als Verein, als kleine Gemeinschaft gegenüber der grossen menschlichen Gesellschaft in den Kommunen, Kantonen, der nationalen, ja sogar globalen Gesellschaft erfüllen könnten? Die Antwort gibt uns wieder Jürg Theiler in seinem unnachahmlichen Werk «Bewusstheit»: Lasst uns alles daran setzen, „Gewalt und Zwang, Ignoranz und Abhängigkeit, Macht und Überheblichkeit, Tausch und Täuschung, Lüge und Betrug, Manipulation und Kontrolle abzubauen und Liebe, Schönheit, Wahrheit, Güte, Sanftheit, Zärtlichkeit, Bescheidenheit, Geduld, Hingabe, Bewusstheit, Gesundheit und Erfüllung aufzubauen.“ Das heisst mit andern Worten nichts anderes, als der Gesellschaft als Seele zu dienen in Liebe und Wahrhaftigkeit, das Leiden der Menschheit ertragend.

Ich weiss, das ist ein grosser Anspruch. Ich bin mir aber auch sehr sicher, dass wir keine andere Wahl haben. Ganzheit lässt keine Kompromisse zu. Entweder wir geben uns unserer Seele hin und dienen als IP der Gesellschaft als Seele oder wir tragen zu unserer  Zerstörung und zur Zerstörung der Gesellschaft bei. Die Zeit der politischen Kuhhändel ist abgelaufen.

Erfüllung oder Zerstörung. Das ist die Wahl.

11 Kommentare zu “Vom Kuhhandel zur Erfüllung – die Aufgaben integraler Politik

  1. Liebe Regina Bögli,
    Liebe IP-Verantwortliche,
    Zuerst möchte ich Regina Bögli zu ihrem authentischen Beitrag gratulieren (wenn auch etwas spät, denn ich habe etwas den Kontakt verloren zur IP…), ich gehöre nämlich auch dieser Baby-Boomer-Generation an und KANN ALL DIES NUR BESTÄTIGEN. Politisch aktiv sein heisst für mich: Gradstehen für meine Werte, und auch wenn ich sogar als Nestbeschmutzer oder Whistleblower bestraft werde…

    Aber was sich die IP in den letzten Monaten geleistet hat, weiss ich wirklich nicht, und es wissen es wohl auch die vielen Konkurrenz-Parteien nicht. Ich bin überzeugt, dass es nicht reicht, schöne psycho-edelische Worte zu publizieren, um irgend jemanden zu überzeugen, dass die IP eine Partei ist, die etwas erreichen kann.

    Meine Fragen:
    1. Wo bleibt die Basis-Arbeit? Ich habe mich für ein neues Konzept zur IP-Bildungspolitik stark gemacht und wurde nicht einmal mehr kontaktiert, was nun damit geschehen soll…
    2. Wo bleibt die Realpolitik – sprich: die Abgrenzung von andern Parteien, die ja auch hohe Werte proklamieren?
    3. Wo bleibt der wirkungsvolle Medienauftritt? Unsere politisch aktiven Leute (aller Parteien) in unserer Gemeinde (Gossau ZH) kennen die IP schlicht nicht…

    Es tut mir leid, da liegt nicht nur ein Wurm drin.
    Hoffnungsvolle Grüsse für eine bessere IP-Politik…
    Christoph Reinhardt (christoph.reinhardt@gmx.ch)

  2. Heihei liebe Schreibende!
    Aus der Generation der BabyboomerInnen bin ich gewohnt aufzustehen, meinen Weg selber zu bestimmen und die Verantwortung dafür selber zu tragen!
    Die Welt war damals, als wir Kinder waren, sooowas von eng in allen Richtungen. Wir stemmten uns trotz Liebesentzug und furchtbaren Beschimpfungen um an die frische Luft zu kommen. Nahmen Ausgrenzungen in Kauf und rauften uns zusammen. Bildeten uns neue Familien, Freundesfamilien, gründeten Kommunen, WGs, gingen auf die Strasse und zeigten uns persönlich und offen mit unseren Ansichten. Wir diskutierten und suchten nach Worten und Formen um das Neue verzweifelt heranzuziehen in diese Welt und gingen tapfer neue ungepfadete Wege. Darf ich erinnern an Militärdienstpflichten, Konkubinatsverbote, Heiratsrecht, Fräuleins, Umgang mit Menschen aus Randgruppen und so weiter…
    Dass wir so weit wir konnten lebten was wir uns als Veränderung wünschten hat für Alle viel verändert.
    Das Aushalten der Diffamierungen auf unseren Mut und das Einstehen für uns selbst veränderte die Kultur vehement. Wir haben die Gesellschaft daran gewöhnt, dass Menschen und vor allem auch Frauen hinstehen und laut sagen was sie zu sagen haben – aussehen wie sie aussehen wollen – lieben wen sie lieben wollen – für ihren Seelenfrieden bereit sind ins Gefängnis zu gehen und in Kauf zunehmen, keine Karriere zu machen!
    Kurz wir haben gezeigt, dass wir grosse Veränderungen bewirken sofern wir diese wirklich selber leben. Hätten wir eine politische Initivative lancieren sollen um das Fräulein abzuschaffen? Nein, wir standen vor unseren Chef hin und verlangten, dass wir mit Frau angeredet werden, ab sofort.
    Der Mut sich zu outen und gegen den Strom zu schwimmen, die Strafen der Gesellschaft in ihren vielfältigsten Formen zu ertragen und zu überleben bewirkt solch starke nachhaltige Veränderungen.
    Natürlich machten wir viele Fehler, doch hinter die Zeit der Siebziger-Achzigerjahre wollen heute nicht wirklich Viele zurückkehren.
    War das politisches Handeln? Natürlich war es das. Es hat sich durch Wenige für Viele, für Alle, reichlich viel geändert in nur 20-30 Jahren! Und wir haben mit unseren Kindern anders zusammengelebt und diese Kinder erleben, dass ihre Eltern hinter ihnen stehen und starten auf einem neuen Boden.
    Selbstverständlich haben wir auch politische Parteien gegründet und selbstverständlich haben die unsere Anliegen weiter in die Gesetze und in die Verfassung gebracht und damit konsolidiert. Und trotzdem war da dieses Aufstehen der Einzelnen in ihren damaligen Familien, Gemeinden, Arbeitsplätzen, Schulen und Vereinen die treibende und tragende Kraft.
    Diese Kraft ist die Evolution und sie allein hat diese grossartige Stärke, mit der Menschen sovieles erreichen und ertragen.
    Mit dem will ich sagen, dass politische Parteien hinterher kommen um aufzunehmen, was sich in vielen Einzelnen zeigt und nicht bloss denkt oder wünscht.
    Als politische Gruppierung tun wir also gut daran hinauszugehen und nachzuschauen, wer die Veränderungen lebt die wir uns wünschen und sie zu unterstützen. Ganz nach dem Prinzip der Legitimierung und der Authentizität, das ich hier nicht erneut erklären will. (siehe andere Beiträge).
    Denn wir wissen nie, was sich im andern entwickeln und zeigen soll. Und wir sehen wahrscheinlich nicht umfassend genug um die Ziele der Evolution zu formulieren, ausser wir leben authentisch und spüren was für uns persönlich ansteht und gefordert ist.
    Seid herzlich gegrüsst
    Regina Bögli

  3. Grüezi mitenand

    ich habe zwei Kommentare:

    1) “dass der Mensch eine Psyche, ein Geist-System ist, das sich in einem Körper manifestiert und nicht ein Körper ist, der mit instinktiven und emotionalen Wünschen und einem teilnahmslos berechnenden Verstand ausgerüstet, rücksichtslos materielle Güter anhäuft” finde ich nicht gerade integral! Nach meinem Verständnis sind Körper, Geist (und dazu gehört sicher auch der Verstand!), Seele und Instinkt gleichwertig. Vielleicht könnte man sogar sagen, dass es verschiedene Aspekte des einen unteilbaren Menschen sind, und sicher sind damit verschiedene Fähigkeiten des Menschen verbunden, nämlich die Bewegung, das Denken, das Empfinden und die Intuition.

    2) Ich bin mit Jürg Biner einverstanden, dass heute viel Energie zur Vermehrung, zur Pflege oder auch nur zum besseren Verstehen des Integralen Bewusstseins aufgewendet wird, was also Aktivitäten nach Innen sind. Es bleibt deshalb wenig Energie übrig, um nach aussen zu wirken. Letztendlich wollen wir ja im Aussen etwas bewegen.
    Ich bin allerdings ein Pragmatiker, und als solcher hinterfrage ich nicht, was bisher geschehen ist oder was wir tun sollten/könnten/möchten. Ich spüre in mir den Drang, etwas nach Aussen zu tun. Ich möchte deshalb beliebt machen, dass wir mit dem Integralen Bewusstsein, das wir Alle heute in uns haben, zufrieden sind und uns jetzt daran machen, davon etwas nach aussen zu tragen. In diesem Sinne werde ich vorerst einmal im Kreis des Vereins IP Luzern konkrete Vorschläge vorlegen.

    Tschüss zäme

  4. Der Passus: “Der Gesellschaft als Seele dienen”. ist schön, hallt im inneren Ohr nach.

    Um auf die Ebene der empathischen Intelligenz zu kommen braucht es (wie auch Jürg betont) eine ausgebildete Empfänglichkeit, aber ebenso Hingabe. Beide zusammen bilden den Schlüssel zur Transformation.
    Werner Binder

    • Danke Werner, für die Hingabe – ein Wort das ich bis jetzt im Deutschen selten verwendete. “Dedication” verwende ich allerdings häufig. Ja, ich finde das ganz wichtig, “to be dedicated”. Die innere Hingabe erkenne ich bei der integralen Politik. Die Hingabe, das Engagement gegen aussen suche ich noch.

      Und es ist sooo still auf dieser Seite – was auf die innere Hingabe deutet.

      Doch unbeantwortet bleibt die Frage, ob es denn ohne Aktivität wirklich etwas bringt, diese stille Seite zu unterhalten. Sie wirkt zwar edel, aber wirkungslos. “Der Gesellschaft als Seele dienen” – aber die Gesellschaft nimmt die Seele nicht wahr – also still werden. Kaum gelesene und wenig beachtete Grundsatzpapiere im Netz – und das ist es.

      Ist es das?

      Ist das die Aufgabe von feinfühligen Menschen – dann eben zuschauen, abwarten, “glauben dass die Transformation sich endlich ‘verwirklicht’? Hoffen?”

      Freundlich und auch sich selbst gegenüber gerecht wäre eine Zusammenstellung von Erreichtem und von zu Erreichendem nach acht Jahren Wirkung.
      Eine ehrliche Aussicht – damit die Bewegung nicht so aussichtslos wirkt wie im Statement: “die Masse ist nicht bereit für integrale Politik – das können wir nur sanft beeinflussen, denn sonst wäre was wir tun nicht integral”.

      Ein Bewusstsein das sich von selber entwickelt kann man dann nicht signifikant bewegen, genauso wenig wie man einen Fluss mit einem Paddel anschieben kann.

      Das wäre eine mögliche ehrliche Antwort zur Frage, ob man eine politische Partei ist, oder ein unparteiischer Projektor von Idealen, die gemäss der eigenen Erkenntnis noch vielleicht hundert Jahre brauchen, um von 2 Prozent auf die politisch notwendigen 51% anzusteigen. Wieso ist es so still hier? Es schreibt kaum jemand, es antwortet kaum jemand.

      Ist es das? Oder gar: war es das?

      • Lieber Jürg, Du berührst mit deinem Drängen eine wesentliche Eigenschaft der Seele, die wir auch Intelligenz des Herzens nennen: Sie arbeitet ausschliesslich im rezeptiven Modus, d.h. sie entfaltet ihre Wirkung nur auf geduldiges Hinhören hin.

  5. Auf meine vorgestrige Facebook-Frage zur Wirkung und Selbstbeurteilung der IP Schweiz wurde ich für eine mögliche Antwort auf diesen Artikel hingewiesen.

    Erfreut nehme ich daraus zur Kenntnis, dass die Wichtigkeit der Intuition erkannt wurde. Doch gleichzeitig ist (für mich?) kein Ansatz für eine Strategie für eine politische Partei abzuleiten.

    Das Ende allerdings überrascht – die IP Schweiz, die nur marginalst wahrgenommen wird, verkündet das Ende der “alten politischen Ära”, und als einzige politische Massnahme erkenne ich die Prophezeiung einer Endzeit: “Die Zeit der politischen Kuhhändel ist abgelaufen. Erfüllung oder Zerstörung. Das ist die Wahl.” – hmmm.

    So wiederhole ich hier gern meine auf Facebook gestellte Frage, im Kontext:

    “darf ich ganz offen sein – ? ich finde ja.
    seit 3 1/2 jahren gibt es die ip schweiz. sie hat zwar stand heute 595 gefällt-mir-angaben, ok, ABER: nur einer einzigen person gefällt der politische kommentar zur letzten abstimmung. das wirft einen grossen schatten eines fragezeichens in die zukunft.
    nun: was ist die zeitliche vision der ip? gemäss der logik (oder meditativen erkenntnis) von ken wilber dauert der prozess der veränderung noch jahrhunderte (das ist meine deutung seiner aussagen – finde ich hier jemanden gleichgesinnten?).
    ist demnach die ip schweiz eine selbstbeschäftigungsgruppe? ich dachte zuerst an das wort selbstverwirklichung – dazu bräuchte es aber die erreichung signifikanter ziele. was ist gemäss der erfahrungen und ergebnisse der vergangenen jahre eure erkenntnis und (selbst)beurteilung?”

    ps. was würde sich ändern, wenn sich die partei auflöst? im sinne der im artikel gestellten endzeitannahme: to be or not to be. eine ehrliche antwort.

    • Die heute lebenden Menschen verbrauchen jährlich doppelt so viele Ressourcen wie die Erde zur Verfügung stellen kann. Schon daraus geht hervor, dass eine Integralisierung der Gesellschaft schneller vorangehen muss als Du oben annimmst. Natürlich kann man auch von andern Annahmen ausgehen, aber die Enthalten zwangsweise epochale Katastrophen. Diese sind meiner Meinung nach nur durch einen Bewusstseinswandel zu verhindern. Und da ist jeder noch so kleine Beitrag, auch der Beitrag einer politischen Organisation wie sie die IP darstellt, wichtig.
      Hast Du den Inhalt des allen Mitgliedern und Interessierten der IP zugestellten Plakat-Flyers bereits zur Kenntnis genommen? Ist Dir aufgefallen, wie viele kleinere und grössere Projekte in Arbeit sind? Kommst Du am 16. November zum Besser leben Festival nach Basel, wo sich über 50 Organisationen ein Stelldichein geben, die alle irgendwie und jede auf ihre Weise an der Transformation unseres Bewusstseins arbeiten? Ich würde mich freuen, Dich dort anzutreffen und mit Dir über existenzielle Fragen nachzudenken.

        • Deine Frage begleitet die IP seit ihrem Bestehen. In ihren Statuten steht, dass die IP sich sowohl als Partei wie auch als politische Bewegung (NGO) versteht. Unter Partei verstanden aber die Verantwortlichen nicht eine rechthaberische Gruppierung, sondern eine politische Organisation, die auch bereit ist an Wahlen teilzunehmen. Es sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, dass sich die IP alle demokratischen Möglichkeiten offen lassen will, um auf das politische Geschehen in der Schweiz Einfluss zu nehmen. Wir hatten zuwenig überlegt, dass alle diese Möglichkeiten auch offen stehen, wenn dieses in den Köpfen der Menschen besetzte Wort nicht in den Statuten festgehalten wäre.
          Übrigens: Meditieren und Joggen sind beides Tätigkeiten, die einen integralen Lebensstil unterstützen können. Sowohl als auch!
          Sei herzlich gegrüsst!

    • Lieber Jürg

      Zuerst danke ich dir für die Fragen, die du in deinem Kommentar aufwirfst Viele deiner Gedanken beschäftigen auch mich seit längerer Zeit:
      • die die „Ruhe“ auf der facebook-Seite (… und auf dem IP-Web Blog)
      • die Wirkung der IP im Aussen
      • die Frage, ob die IP gescheitert ist (wie du es schreibst: War es das?)

      Die „Ruhe“ auf der facebook-Seite: das ist nicht nur dort so, auch auf dem Blog auf dem IP-Web ist es fast unheimlich ruhig. Die Kommentare sind fast immer von denselben wenigen Leuten. Mein letzter Blog zum Feld für Transformation hätte eine umfassende Diskussion auslösen können (und sollen), doch das war nicht so. Dasselbe gilt für andere Blogs. Die Anzahl Kommentare liegt zwischen 0 und 9 in diesem Jahr. Die Community ist auch nicht gerade ein Renner. Heisst das, dass fast niemand liest, was geschrieben wird? Vielleicht ist es das Ergebnis der Informationsflut, die wir kaum noch bewältigen können? Oder ist das alles zu wenig attraktiv? Bewegt es nicht? Weshalb? Oder sind schlicht deine und meine Erwartungen zu hoch, was da alles abgehen müsste auf der IP-Plattform? Du siehst, ich habe keine Antworten, nur offene Fragen.

      Die Wirkung bzw. eben die nicht sichtbare Wirkung der IP nach aussen: Ich bin mit dir einverstanden, dass eine offene Bilanz angezeigt ist. Das Selbstverständnis der IP, ob sie eine Partei in der Parteienlandschaft der Schweiz sein will, ist entscheidend für die Bilanz. Wenn IP sich an der Anzahl Kandidaten oder der Anzahl Sitze in Räten messen will, dann ist der Weg noch sehr lang. Nach der Beteiligung der IP an der Gemeinderatswahl in Wohlen BE (http://www.integrale-politik.ch/wp-content/uploads/2014/03/bericht_wohlen_bei_bern.pdf) schrieb ich: „So stellt sich die Frage, ob eine solche Wahlbeteiligung ein geeigneter Weg ist, um den von der IP angestrebten Bewusstseinswandel zu fördern oder ob es effizientere Wege dafür gibt.“ Doch welche Masstäbe können sonst angewendet werden?

      Das führt zur zentralen Frage: War es das? Als Partei im Sinne des allgemein üblichen Verständnis dieses Wortes: ja. Doch ich meine, dass wir hier differenzieren müssen. Die Frage heisst: was ist Politik? Wenn wir sagen: alles, was die Gesellschaft beeinflusst, geht es nicht mehr um Wähleranteile. Die Tiefenökologin Joanna Macy unterscheidet drei Dimensionen, die nötig sind, um die Welt in eine bessere Richtung zu verändern:

      • Aktionen, um Schlimmeres zu verhindern, z.B. Proteste gegen Ölbohrungen in der Arktis, gegen Überfischung der Meere oder Abholzung der Regenwälder, usw.
      • Aktionen, die Alternativen zum Bestehenden aufzeigen, z.B. Gemeinwohl-Ökonomie, Grundeinkommen, Vollgeld, Décroissance, Permakultur, Neustart Schweiz (Nachbarschaften), Transition Towns, usw.
      • Bewusstseins- und Wertewandel

      Die erste Dimension ist die Domäne von Greenpeace, WWF, Aavaaz und manchen anderen, die zweite wird von den entsprechenden Initiativkommitees und Bewegungen abgedeckt. Beide können aus IP-Sicht fallweise unterstützt werden. Doch wenn es für die IP eine Zukunft geben soll, wird ihr Schwerpunkt in der Dimension des Bewusstseinswandels liegen. Ich nenne es auch Kulturwandel…

      Herzlich Pierre