Bastiaan Frich der Herzensbiologe

Bastiaan Frich der Herzensbiologe vom Urban Agriculture Netz Basel (UANB) am IP-Anlass vom 9. April 2014 in Basel

von Cécile Cassini

bastian-qBastiaan führt uns in den Begegnungsraum zwischen Menschen, Pflanzen und Schönheit mit der Geschichte vom Ehrenpreis, dem Unkraut. Eine Frau wollte unbedingt alles «Unkraut» bekämpfen und ausreissen. Sie baten sie dies zu lassen und das Kraut für das zu würdigen, wofür es stehe. Sie würden es mit den Kindern aus dem Kindergarten sammeln und daraus Halswohl-Tee gewinnen. Das Kraut hiesse lateinisch «Veronika». Die Frau begann zu weinen, ihr Name war Veronika, es war ihr als ob von ihr gesprochen worden wäre und sie den Paradigmenwechsel direkt erlebt hätte.

UANB bringt eine «essbare Stadt» und Erlebnisräume. Von zahlreichen Projekten funktionieren 40 gut. Er plädiert für eine hingebungsvolle Haltung und dafür, dass es mit Spass und Begeisterung geschehen soll. Die Mitgliederzahl ist nicht wichtig sondern die Authentizität der Menschen. Dies ist ein essenzielles und zentrales Element. Es sollen Räume für Authentizität geschaffen werden. Leute dürfen auch sagen, dass sie nicht mögen. Wenn genügend Initiative und Energie da ist passiert etwas, es muss nicht expandiert werden.

Wichtig ist neben der sinnlichen Garten- und Arbeitserfahrung der Begegnungsort zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen, ein Inspirationsraum für die Beziehung zur Umwelt und zu sich selbst. Auch die soziokulturellen Anlässe, das gemeinsame Essen eins bis zweimal die Woche an festgelegten Tagen sind wichtig sowie Feste mit Musik und Tanz.

UANB ist mit anderen ihnen ähnlichen kleinen Organisationen in einem sinnvollen Netzwerk verbunden, welches tragend, inspirierend und höchst unterstützend wirkt auch für die vielen äussert spannenden Projekte .

Gemeinschaftsgarten Landhof – Dieses Projekt ist das Flaggschiff. Es ist spannend zu sehen, wie sie dort innerhalb von nur sieben Monaten einen Kiesplatz mit organischen Permakultur-Mustern renaturiert hatten bis hin zum heutigen Traumgarten mit enormer Vielfalt und z.B. 250 statt 6 Sorten Gras. Dieser Garten hat wiederum die umliegenden Häuserblöcke resozialisiert. Hier wird Subsistenz und Suffizienz lustvoll gelebt und weiterentwickelt. Eine Herausforderung war die Verwaltung der Allmende/Stadtgärtnerei. Das Glück war eine persönliche Begegnung mit einer Frau aus der Verwaltung, die sich enorm für Urban Agriculture engagierte und als Scharnier für dieses Projekt diente. Heute werden die Urban Gardener vom DEZA beauftragt, slowakische Projekte aufzubauen und am Leben zu halten. Sie waren schon in über 15 Ländern.

CSA Nuglar Garten – Es war erstaunlich zu hören, dass in der Stadt eine grössere Artenvielfalt herrscht als auf dem Land, was für die Bienen und andere Kleintiere besser ist. Durch die Technisierung der Landwirtschaft ist vieles sehr eintönig geworden. Dem wirken sie mit Projekten wie in Nuglar entgegen, wo sie den dafür offenen Bauern die direkte Abnahme sichern und so die Vielfalt wieder ermöglichen. Der Landwirt hat in der Regel selbst keine Kapazität ein Verteilnetz aufzubauen. Dies sollte deshalb durch verantwortliche Konsumenten geschehen. Der Schweizerische Dachverband für Vertragslandwirtschaft berät wie so etwas entstehen kann und wie man es aufbaut.

Falls jemand aus einem anderen Quartier z.B. dem Gundeli kommt, helfen sie gerne. Aufwachen und in Aktion treten ist wichtig, sie unterstützen, liefern jedoch nichts zum Konsumieren. Falls der richtige Moment da ist, geschieht es. Erfolg heisst nicht grösser, besser, mehr, sondern Authentizität. Dies beinhaltet auch das Scheitern. Nichts ist in Stein gemeisselt. Die Projekte sind das, was die Menschen dort machen. Die Menschen verändern die Projekte.

Es gibt zwar einen Vorstand aber entscheidend ist das Montagstreffen. Die Menschen, die dann dort sind, haben das Sagen. Die Herausforderung der Integration ist es, die Impulse der Neuen miteinzubeziehen. Dies erfordert die Offenheit jedes Einzelnen. Viele Projekte scheitern am «Menscheln», auch weil wir zu wenig gelernt haben, gut miteinander umzugehen. Hier braucht es den Fokus für partizipative Prozesse. Manche von ihnen gehen dafür in spezifische Ausbildungen. Achtsame Offenheit muss geübt werden.

Bastiaan bedankt sich – bei seinen Eltern, seiner Frau und seinem Kind für wichtige, lehrende empathische Beziehungen und bei Marshall Rosenberg, den er mit 15 kennengelernt hat und der ihn all seine Kurse in der Schweiz gratis besuchen liess und damit die Tiefe der gewaltfreien Kommunikation lehrte.

Die Organisatorin Rosmarie Wydler bedankte sich beim Herzensbiologen und beeindruckenden «integralen Naturtalent» und die Zuhörenden applaudierten ergriffen und begeistert.

Cécile Cassini

Mail-Kontakt: Integrale Politik Nordwestschweiz