Suffizienz: Podiumsdiskussion in Zürich

von Marc Schmuziger

Suffizienz in Zürich_qSuffizienz in Zürich: lebendige Podiumsdiskussion zum Jahresthema der Integralen Politik mit eindrücklichen Referent*innen, kompetenter Moderatorin und engagiert diskutierendem, über 80-köpfigem Publikum.

Am Donnerstag, 25. Januar, organisierte die IP Zürich eine Podiumsdiskussion zum Thema Suffizienz. Die geladenen Gäste waren Cécile Cassini, die in ihrer Begrüssungsrede einen undogmatischen, ganzheitlichen und durchaus auch politischen Blick auf das Thema warf. Pragmatisch war derjenige von Tara Welschinger. Ganz nach Erich Kästners Moto „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“, lebt sie möglichst abfallfrei und führt das ZeroWaste Ladencafé in Zürich. Kim Jana Degen zeigte mehr eine leise Seite. Für sie kann Suffizienz mit einer besseren Beziehung zur Natur gefördert werden, die gleichzeitig auch die Beziehungsfähigkeit zur eigenen Natur umfasst. Oekologisches Denken und Handeln sollte so früh als möglich bei der Erziehung der Kinder und auch als Schulfach berücksichtigt werden. Eine dezidierte und provokative Haltung vertrat die Jungpolitikerin Meret Schneider, die Gemeinderätin in Uster und in der Geschäftsleitung von Sentience Politics tätig ist. Gemäss ihrer Überzeugung, dass alle empfindungsfähigen Wesen moralische Berücksichtigung verdienen, vertrat sie klar die Meinung, dass alles andere als Veganismus ein Verbrechen sei, nicht nur den Tieren gegenüber, die unter grauenvollen Umständen missbraucht und ermordet würden, sondern auch in Bezug auf die Umwelt. Ein Grossteil der CO2-Emission gehe auf die Viehzucht zurück und sei entsprechend einfach einzusparen. Der ETH-Professor Anton Gunzinger vertrat mehr die unternehmerische Seite, plädierte für eine Energiewende der Zukunft und zeigte auf, wie und wo dies zu bewerkstelligen sei. Trotz des derzeitigen Wissens und der umsetzbaren Möglichkeiten, sei die Bereitschaft von Politik und Wirtschaft aber bis jetzt extrem desillusionierend.

Gekonnt und engagiert führte die Moderatorin Suzanne Käser durch den Abend und achtete darauf, dass auch interessante Voten und Fragen des Publikums in die Diskussion Eingang fanden. Fazit: So inspirierend und bewegend kann Politik sein, wenn sie den ganzen Menschen einbezieht. Ich jedenfalls habe begonnen, vermehrt vegane Produkte einzukaufen. Leider ist auch diese Nahrung unnötig in Plastik eingeschweisst und/oder von Karton umgegeben. Auch der Hofladen in unserer Umgebung greift vermehrt zu dieser Unsitte. Ich werde wohl das Gespräch mit der Bäuerin suchen müssen…

Auf jeden Fall wirkt die Veranstaltung noch heute in mir nach. Ohne das grosse Engagement der IP Zürich wäre dies nicht möglich geworden. Ihr ein ganz grosses Dankeschön! Eindrücke vom Abend finde sich auf dem folgenden → Video.

Unternehmen organisieren sich integral

von Niklaus Bayer

Tealcamp_qEindrücke vom Tealcamp 2017 in Thun

Am 8. und 9. Dezember versammelten sich in Thun zum zweiten Mal ca. 150 Leute aus Firmen und Unternehmen, die ihre Organisationen in Richtung „teal“ weiterentwickeln. „Teal“ meint petrol-farbig gemäss Ken Wilber, gelb gemäss Spiral Dynamic und ist die erste Stufe, die über die Postmoderne hinausgeht. Inspiriert von Frederick Laloux: „Reenventing Organisations, visuell“, gehören die Teal-Organisationen zu den weltweit zahlreichen Firmen, die mit einer integral-evolutionären Weltsicht nach sinnstiftenden Formen der Arbeit streben. Ihre Prinzipien sind Selbstführung, Ganzheit und Sinn für das Evolutionäre.

Aus der Tatsache, dass viele Organisationen an unüberwindliche Grenzen stossen, bot das Lerncamp von Thun im Format eines „open space“ eine höchst kreative Plattform, um bisherige Erfahrungen zu reflektieren, neue Wege einzuschlagen und sich von gelungenen Beispielen inspirieren zu lassen.

Für mich war es eine unglaublich beglückend, so viele Menschen aus ganz andern Bereichen kennen zu lernen, die ihren Arbeitsalltag mit ihren Firmen schon heute integral gestalten (z.B. einzelne Abteilungen in SBB und Swisscom). Es war eine wundervolle, frische und kreative Energie mit den 150 meist jungen Leuten und den Unternehmern mit ihren „Teal Organisationen“ – eine echte Aufbruchstimmung.

Zusammen mit Denis Knubel konnten wir am zweiten Tag einen Workshop halten, an dem wir mit sieben Teilnehmenden diskutierten, wie man „teal“ in die Politik einbringen kann. Bei einer systemischen Strukturaufstellung durch Denis zeigte sich sehr schön, wie bereits die Existenz, die pure Präsenz von Integral, der Gesellschaft gut tut. Überraschend war auch zu sehen, wie isoliert und unverbunden die Politik neben dem Volk, der Macht, der Ethik… im Raum stand. Wir alle spürten, es könnte ein echter Dienst sein, Politikerinnen und Politikern bei Gelegenheit ein wohlwollendes Feedback für ihr Engagement zu geben.

www.tealcamp.ch

Die AHV in einer gerechten Gesellschaft

aus der Zeitschrift Zeitpunkt, 10.02.2018

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Eine vom Bundesrat vorgeschlagene Altersvorsorgereform wurde im September 2017 vom Volk abgelehnt. Wichtiges wurde nicht aufgegriffen und grosse Ungerechtigkeiten wären nicht beseitigt worden.

Wir denken, dass ein erneutes Flickwerk nicht mehr reicht, die AHV zu retten. So erlauben wir uns eine AHV neu zu erfinden und drücken für einmal den berühmten ResetKnopf.
Als die heutige AHV 1948 in Kraft trat, war dies eine grossartige Sache, ein mutiger Schritt. Aber Hand aufs Herz, was hat diese Nachkriegszeit mit der heutigen Zeit noch gemeinsam? Damals machte der Generationenvertrag Sinn und so konnte den älteren Menschen ein Leben in Würde ermöglicht werden.
Nun heute, 70 Jahre später, ist das Ziel das gleiche geblieben. Alle Menschen im Pensionsalter sollen ein selbstbestimmtes gutes Leben führen können. Wir stellen uns das mal ganz pragmatisch vor:

Um ein gutes Leben selbstbestimmt zu leben, braucht heute, nach unserer Sicht, jeder Rentner, jede Rentnerin monatlich Fr. 3500. (Stand 2017).
Das Einkommen im Pensionsalter würde sich zusammensetzen aus Pensionskasse und dem Ertrag von Sparguthaben und bei grösseren Vermögen käme auch ein Verzehr von Vermögen in Frage.

Kommt ein Mensch ab 65 Jahren so auf ein monatliches Einkommen von 3500 Franken wäre für ihn eine AHV nicht vorgesehen. Eine neue AHV, wie wir sie uns vorstellen, kommt erst zum Zuge, wenn das Einkommen von Franken 3500 nicht erreicht wird. Die neue AHV würde die Einkommenslücke bis Franken 3500 auffüllen. Wir hätten somit ein bedingtes Grundeinkommen geschaffen.

  • Zukunftsängste würden abgebaut, weil jede und jeder weiss, was er im Alter mindestens für ein Einkommen zu erwarten hat. Wir alle wären stolz auf unsere Gesellschaft in der niemand Angst vor Not im Alter haben muss.
  • Junge Menschen, Menschen im Erwerbsleben könnten ihre Lebensplanung freier gestalten. Teilzeitarbeitende, Mütter und Väter, Alleinerziehende, Grossfamilien, Kranke und viele mehr, wüssten sich in dieser Gesellschaft aufgehoben.
  • Somit würde die Giesskanne abgeschafft und damit eine zeitgemässe und bedarfsgerechte Verteilung der Güter unserer Gesellschaft erreicht.

Und wie soll diese neue AHV, dieses bedingte Grundeinkommen, finanziert werden?
Wir können nur schätzen, aber wir gehen davon aus, dass die jährlichen Kosten für die AHV durch die Abschaffung der Giesskanne eher kleiner als grösser werden.
Wenn auch 1948 der Generationenvertrag eine ausgezeichnete Lösung war, so braucht es heute eine neue Finanzierungsgrundlage.
Wenn 1948 mit viel Händewerk durch die damaligen Erwerbstätigen besteuerte Löhne erwirtschaftet wurden, die auch noch viel AHV-Abgaben einbrachten, so wird heute sehr viel Arbeit und Dienstleistung durch die Digitalisierung übernommen, von Robotern geleistet.
Wenn so eine Software oder eine Maschine ihre Gestehungskosten eingespielt hat, verdient sie ihr Geld weiter für ihre Unternehmung und damit entzieht sich einer direkte Besteuerung und die Abgabe an die AHV entfallen und fehlen.

Nach unserer Sicht wäre hier ein Potential für eine neue Steuer, die allzu lange nicht eingezogen wurde. Eine Robotersteuer oder andere in dieser Richtung gehende Steuereinnahmen könnten in die AHV fliessen und so die neuen wirtschaftlichen Wirklichkeiten abbilden.
Das Geld, das durch die Digitalisierung verdient wird, fliesst unter oben beschriebenen Bedingungen sehr oft in die Nachlässe von sehr grossen Vermögen. Ein erneuter Anlauf für eine Erbschaftssteuer der sehr grossen Vermögen wäre ein anderes Potential um die AHV zu konsolidieren.

Der Generationenvertrag würde weiter mithelfen die AHV-Kasse zu füllen, es dürfte aber keinesfalls die Arbeit noch mehr belasten als sie heute schon ist. Das Umlageverfahren ist eine grossartige Möglichkeit, um nicht noch mehr Geld auf Haufen zu legen, wie es die Pensionskassen schon tun.
Seit 1948 ist aus der armen Schweiz eines der reichsten Länder geworden. Die Anstrengung wäre keine so grosse und die Schweiz wäre nicht nur ein reiches Land, sondern ein gerechteres als viele andere.

Und warum sollte so ein Neuanfang der AHV eine Mehrheit finden?
Weil ein bedingtes Grundeinkommen für Rentner und Rentnerinnen viele Probleme unseres Sozialsystems aus dem Weg schaffen könnten.
Weil wir alle verantwortlich sind, dass Zukunftsängste unsere Schaffenskraft nicht mindert.
Weil ein gerechter Gesellschaftsvertrag eine gegenseitige Genugtuung ergibt und wir eine stolze Gesellschaft sind.

Rosemarie Thalmann-Zemp und Werner Bachmann sind Mitglieder der IP Zentralschweiz, die sich am 28.10.2017 in einer ausführlichen Dialog-Veranstaltung mit der Zukunft der AHV befasst haben.

Jean Gebser und Suffizienz

Jean GebserWie entstanden die Ideen zum Integralen?

Ein Abend mit Bruno Gantenbein

Auf der Grundlage der Integralen Theorie, wie sie von Jean Gebser, Ken Wilber und anderen entworfen wurde, ist die Integrale Politik entstanden.

Die IP Ostschweiz lädt zu diesem Abend ein, um die Integrale Theorie, wie  sie  von  Jean  Gebser  beschrieben  wurde,  tiefer  kennenzulernen und zu erfahren, wie wir aus Gebsers Werk Suffizienz ableiten können.

In einem Referat führt uns Bruno Gantenbein durch das Leben und Werk  von  Jean  Gebser.  Er  geht  den  Fragen  nach:  Was  sind  die grundlegenden Erkenntnisse von Jean Gebser? An welche Fakten hielt er sich zu seiner Zeit? Wie können wir Jean Gebsers Werk auch heute noch als lebensdienliche Orientierungshilfe nutzen? Wo finden wir in Gebsers Werk Ansätze zur Suffizienz? Was unterscheidet Jean Gebser von den heutigen Integralen Philosophen?

Der IP Abend findet erneut in der DenkBar statt, wo vor und während der Veranstaltung Getränke und kleine Snacks angeboten werden.

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend.

Montag, 5. März, 19 – 21 Uhr
in der DenkBar, Gallusstrasse 11, St. Gallen
Apéro ab 18 Uhr

 


Der nächste Abend:
Montag, 14. Mai
Bedrohte Welt, unser Tun und die Folgen.
Was motiviert uns, auf die heutige Umweltsituation zu reagieren?
zusammen mit Dr. Toni Bürgin, Leiter des (neuen) Naturmuseums St. Gallen
19.00 – 21.00 Uhr, im neuen Naturmuseum St. Gallen,
Rorschacherstr. 263, Apero ab 18.00 Uhr