Nachhaltigkeit – selbstwirksam, regional, national und global

von Cécile Cassini
1 SDGS_qSelbstwirksam: Mit dem Hauptfokus 2017 der IP „Suffizienz“ können wir als Einzelperson erfahren, dass weniger mehr ist – und üben, wie wir mit weniger Konsum, bewussterem Essen, mehr teilen, tauschen, reparieren, selber machen und kreativ gestalten, nachhaltig und gut leben können.

Kantonal: Am 27.4. fand dazu an der Basler Universität eine spannende Informationsveranstaltung statt, die aufzeigte, wie die Umsetzung im Kanton Basel-Stadt und die Forschung Hand in Hand geht. Die Projektleiterin Catherine Heinzer von der Stadtentwicklung, sowie die Doktorandin Vera Kämpfer, die ihre Dissertation zur Forschung über Nachhaltigkeit machte, zeigten es auf. Dabei bezogen sie sich auf die globalen SDG’s (Sustainable Development Goals), die nationale Strategie für nachhaltige Entwicklung – SNE 2016-2019 sowie auf den Paragraph 15 der kantonalen Verfassung von Basel. Dort heisst es, dass der Staat

  • sich an den Bedürfnissen und am Wohlergehen der Bevölkerung orientiert
  • sich für die natürlichen Lebensgrundlagen und Nachhaltigkeit einsetzt
  • ebenso Chancengleichheit, kulturelle Vielfalt, Integration und Gleichberechtigung der Bevölkerung anstrebt
  • sowie wirtschaftliche Entfaltung.

Die Zusammenarbeit von Praxis und Forschung ergab, dass man sich nicht mehr wie früher getrennt auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft beziehen kann – sondern dass staatliches Handeln bezüglich Nachhaltigkeit grundlegend ist und ganzheitlich erweitert werden soll. Besonders die Integration dieser Themen soll sich mehr auf die thematische Erweiterung der Grundbedürfnisse und das Wohlergehen der Bevölkerung richten. Die Themen aus allen Lebensbereichen überlappen sich und sind nicht voneinander abgegrenzt. Dies sollte stärker berücksichtigt werden. Die Integration der nachhaltigen Entwicklung muss ebenso in die bestehende Planung und in die Steuerungsprozesse der Politik Eingang finden wie auch in Instrumenten und Prozessen der Sektorialpolitik. Dies vor allem in Bezug auf

  • die Entwicklung der Ressourcen
  • der gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit
  • und der generationenübergreifenden Gerechtigkeit.

Im Kanton wie auch regional können wir uns in Gemeinden und Quartieren bei der Entwicklung eingeben (z.B. Projekt Gernhatten in Basel) und politisch mit Bürgerinitiativen und Abstimmungen mitgestalten.

National: Die Strategie für nachhaltige Entwicklung SNE 2016-2019 zeigt, welche politischen Schwerpunkte der Bundesrat für die nachhaltige Entwicklung mittel- bis langfristig setzt. An nationalen Abstimmungen können wir den nachhaltigen, zukunftsweisenden Weg fördern.

Global: Die nachhaltigen Entwicklungsziele SDG (siehe unten) wurden 2015 von 197 Staaten unterschrieben und bleiben das dringende Anliegen von uns allen für eine enkeltaugliche Zukunft. Auf der Agenda 2030 sind die 17 Nachhaltigkeitsziele mit 169 Unterzielen definiert – hier können wir Nicht-Regierungs-Organisationen unterstützen, welche diese Ziele verfolgen.

→ visuell erklärt: Wie lebt man Nachhaltigkeit?
Liste aller SDG-Themen
Friedensmagazin von KOFF zum Thema SDG

Neues Bewusstsein

von Annette Kaiser
AK_qWir alle kennen das Tagesbewusstsein, das Traumbewusstsein und den Tiefschlaf, worin Körper und „mind“ (Englisch: Verstand/Vernunft u.a.) ruhen. Am Morgen, wenn wir aufwachen, weiss etwas in uns, dass wir gut und tief geschlafen haben. Dieses wissende „Etwas“ verweist auf das Bewusstsein an sich, das wir in Wirklichkeit sind. So gibt es also Bewusstsein an sich, welches über oder jenseits von Tagesbewusstsein und Traumbewusstsein steht. Dieses Bewusstsein IST – schon immer, ewig, unendlich und deshalb nicht wirklich neu. Alle mystischen Traditionen „sprechen“ davon. Neu ist hingegen, dass alle Menschen heute aufgerufen sind, dieses zu entdecken. Das ist wirklich neu! Man könnte es als die Demokratisierung der Mystik bezeichnen. Grossartig!

Was heisst dies nun für unsere heutige Zeit? Es bedeutet, den Mythos der Trennung loszulassen. Wenn wir ganz genau hinschauen, wer wir in tiefstem Sinne sind, was die Welt und das Göttliche oder Unbenennbare sein könnte, durchlaufen wir einen Prozess der Selbsterkenntnis. Wir sind nicht, was wir zu sein glauben (zum Beispiel: unser Körper besteht aus 99,999% Leerraum). Wir entdecken dabei die Essenz der Essenz unseres Seins im Nicht-Sein – eben reines Bewusstsein, worin alles enthalten ist, als Tanz im Nichts. Das ist eine stille (R)evolution. Wenn wir die schon immer bestehende Einheit vor jeglicher Verschiedenheit als Grundlage unserer Zivilisation erkennen, wird diese grundlegend verändert. Und genau das brauchen wir: ein neues Bewusstsein, das eine neue Kultur im Miteinander hervorzubringen vermag: lokal – global.

Annette Kaiser, Spirituelle Lehrerin und Spirituelle Leiterin der Villa Unspunnen. Visionärin einer Universellen Spiritualität. Siehe auch „Eine Welt – Eine Menschheit – Ein Bewusstsein, Grundlagen einer Universellen Spiritualität“ . Sie ist Initiantin und zusammen mit Sundar Dreyfus Co-Leiterin der Veranstaltung Universelle Spiritualität in der Villa Unspunnen und auf der Schweibenalp (8. – 10. Sept. 2017) – www.villaunspunnen.ch

„Suffizienz“ – das IP-Jahresthema 2017

von Werner Kaiser, 29.04.2017
2 Suffizienz-Bild_qDie Mitgliederversammlung vom 1. April hat beschlossen, für mindestens ein Jahr das Thema „Suffizienz“ in den Vordergrund des politischen Denkens und Handelns zu stellen.

Suffizienz kommt vom lateinischen sufficere: genügen. Ein Buchtitel bringt es auf den Punkt: „Genug genügt“.

Suffizienz ist allerdings ein weites Thema. Mindestens drei Ebenen gehören dazu:

  1. Die private Ebene. Es gibt eine weltweite Bewegung von vorwiegend jungen Leuten, die versuchen, einfacher zu leben. Und immer wieder können wir von ihnen lesen oder hören, dass sie das nicht als Verzicht, sondern als Glückszuwachs erleben. Viele von uns praktizieren das schon länger: weniger Mobilität, weniger Luxusartikel, weniger Konsum usw.
  2. Die soziale Ebene. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, wieviel Ressourcen wir verbrauchen. Die Ressourcen der Erde sind begrenzt. Wenn wir rücksichtslos konsumieren, fehlen die Ressourcen den Ländern des Südens, aber vor allem auch den kommenden Generationen. Wenn alle Menschen so leben würden wie wir Schweizer, bräuchten wir 2,4 Erden, um den Standard allen zu gewährleisten. Um diese Gerechtigkeit umzusetzen, sind politische Massnahmen erforderlich.
  3. Die wirtschaftspolitische Ebene. Alle grösseren Parteien vertreten die Meinung, Wirtschaftswachstum sei notwendig, um Arbeitsplätze für alle zu sichern. Es ist aber offensichtlich, dass unser Planet dieses Wachstum nicht mehr erträgt. Dass es „Grenzen des Wachstums“ gibt, weiss man seit 1972. Wir können nicht die Erde zerstören, um die Arbeitsplätze zu sichern. Ein Lösungsansatz ist das Grundeinkommen, für das wir uns bereits engagieren.

Alle Regionen und Arbeitsgruppen der Integralen Politik sind eingeladen, auf je eigene Art an diesem gemeinsamen Thema mitzuwirken. Dazu gibt es viele Möglichkeiten: Schweigekreis, Fest, Leserbriefe, Podiumsgespräch, Strassentheater, öffentliche Petition, Auftritt in Regionalzeitung oder Regionalradio und so weiter. Das Jahresthema ist auch eine gute Gelegenheit, uns als IP in einem gemeinsamen Elan zu erleben. Zudem gibt es uns die Möglichkeit, uns in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Bald wird auch über die Vollgeld-Initiative abgestimmt, die uns sehr am Herzen liegt. Ihre Zielsetzung geht in ähnliche Richtung. Sie zu unterstützen, wird ebenfalls zu den Aufgaben der IP gehören.

Suffizienzkarten, demnächst in Druckform