Eidgenössischen Abstimmungsvorlage vom 10. Februar 2019

Volksinitiative «Zersiedelung stoppen – für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung (Zersiedelungsinitiative)»

Was die Initiative will:

Sie will das Kulturland erhalten und vor weiterer Zersiedelung schützen, damit eine regionale Nahrungsmittelproduktion möglich bleibt. Sie will, dass die Grünflächen, die Naherholungsgebiete und die Artenvielfalt für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Sie will, dass die Bauzonen insgesamt nicht weiterwachsen und Bauland eingespart wird. Sie will die Lebensqualität erhöhen durch die Förderung von nachhaltigeren Quartieren. Sie will Lücken im Raumplanungsgesetz schliessen.

Das integrale Zukunftsbild:

In einer integralen Gesellschaft wird der Boden als Lebensgrundlage und als Geschenk angesehen. Er gibt uns, was wir brauchen. Der Boden ist Allgemeingut und wird entsprechend wertschätzend behandelt. Der Boden wird so genutzt, dass er nicht nur den Menschen und künftigen Generationen, sondern auch der Mitwelt erhalten bleibt.

Abstimmungsempfehlung: JA

Unsere Überlegungen dazu:

  1. Die Annahme der Initiative stärkt das Bewusstsein, dass der Boden nicht vermehrbar ist.
  2. Die Initiative sorgt für einen wünschbaren Ausgleich der verschiedenen Nutzungsbedürfnisse.
  3. Durch die Förderung von kleinräumigen Strukturen wird die Nachhaltigkeit unterstützt.

Besondere Anliegen der IP:

Wir möchten, dass in unserer Gesellschaft der Wert des Bodens bewusst gemacht wird. Ein harmonisches Zusammenwirken des Menschen mit seiner Mitwelt soll vorgelebt und weitervermittelt werden. Wir möchten nachhaltige Wohnformen und kleinräumige Strukturen fördern. Die Initiative hilft, gemeinschaftlichere Lebensformen anzuregen.

Erklärung zum Vorgehen und zum Ziel des Politischen Kommentars

Der politische Kommentar der IP Schweiz ist das Ergebnis eines Prozesses zur Findung einer integralen Position zu eidgenössischen Abstimmungsvorlagen. Dabei wird ermittelt, ob eine Vorlage einen Schritt in die Richtung einer Vision einer integralen Gesellschaft bedeutet, und damit einen Beitrag leistet zur Transformation der Gesellschaft oder ob das
Anliegen translativ, das heisst nur eine im Kreis drehende Variante des Bestehenden ist. Die Vorlagen werden vom Politischen Ausschuss der IP Schweiz beurteilt. Die Verantwortlichen für diese Ausgabe sind: Pia Bossi, Jakob Elmer, Urs Haller, Remy Holenstein, Margreth Schmutz, Yvonne Schwienbacher und als Gast: Susanne Baumann. Das Ergebnis dieses Ermittelns findet Ausdruck in einer integralen Abstimmungsempfehlung, die dann ihre gewünschte Wirkung erzielt, wenn die Leserinnen und Leser sich animiert fühlen, mit ähnlichen, visionsorientierten Überlegungen zu ihrem je eigenen Ergebnis zu kommen. Das Ziel einer integralen Position ist es nicht, Recht zu haben, sondern die Menschen zu mehr Bewusstheit zu führen.

Grossen Dank für die Mitarbeit von Nadja Stöckli und Alberto Cerri

Alberto Cerri hat uns von 2014 bis 2016 im Vorstand beraten und unterstützt. Wir haben in ihm einen interessierten und engagierten Mitwirkenden kennengelernt, der durch seine Intelligenz, seinen Fleiss, seine Seriösität und seinen verhaltenen Tessiner Charme beeindruckte.
Schon bald stellte er sich als Prüfer für die laufenden Ausgaben und als zweiter Unterschriftsberechtigter der beiden Bankkonti zur Verfügung, was er sehr gewissenhaft erledigte und auf unser Drängen hin auch noch zwei Jahre weiterführte – auch nachdem er sich aus beruflichen Gründen aus dem Vorstand bereits zurückgezogen hatte. Nun will er dies nicht mehr verantworten, da er zu weit weg ist vom Geschehen.
Wir haben uns mit Alberto Cerri mit seiner warmen und sörgfältigen Präsenz sehr wohl gefühlt und bedanken uns bei ihm für alles, was er für die Integrale Politik gemacht hat. Von Herzen wünschen wir ihm alles Gute auf seinem Weg und freuen uns sehr, wenn wir ihm an unseren Anlässen weiterhin begegnen dürfen.


Als zuverlässige und treue Seele hat uns auch Nadja Stöckli jahrlang untersützt. Wir waren sehr glücklich und dankbar für ihre Arbeit! Mit ihrer liebenswerten, fleissigen, kompetenten und humorvollen Art betreute sie in einem 20%-Pensum ab 2012 bis September 2018 folgende Gebiete:

  • Buchhaltung – mit Zahlungen, Rechnungen, Mitgliederbeiträgen, Mahnungen, Buchungen, Abschluss und Revision
  • Kommunikation mit den Mitgliedern
  • Mitorganisation an den Anlässen
  • Newsletter-Gestaltung samt Versand
  • und vor allem bei der Gestaltung und dem Unterhalt der Website, was sie aufgrund ihres bewundernswerten technischen Flairs mit Bravour und Leichtigkeit managte.

Still im Hintergrund wirkend unterstützte sie uns auf vielfältigste Weise so gut, dass wir erschraken, als sie uns mitteilte, dass ihre berufliche Weiterentwicklung in ihrem eigentlichen Wirkungskreis als Solartechnik-Fachfrau ihr nun ein grösseres Pensum abverlangten werde. Wir konnten es uns fast nicht vorstellen ohne sie weiterzumachen, obwohl wir ihr den Erfolg von Herzen gönnten. Aber auch hier hat sie uns bestens unterstützt und uns genügend Zeit gelassen und vielfältige Hilfe angeboten, um ihre Aufgaben gut zu übergeben.
Wir wissen kaum, was wir mehr vermissen werden: ihre tolle Arbeit oder ihre herzliche Person. Liebe Nadja, wir wünschen dir von Herzen das Allerbeste und hoffen, dir in Zukunft auch weiterhin begegnen zu dürfen.

Tag der Bewusstheit und Stille – Meditationstag

Tag der Bewusstseins

Am 20. Oktober trafen sich zehn Menschen in Solothurn, um gemeinsam die Verenaschlucht zu besuchen. Organisiert wurde der Tag von der Gruppe Veilleuse ZH und AG. Die Absicht für diesen Anlass war, sich in Meditation und Gesprächen zu verbinden, um das Anliegen der Integralen Politik von innen her zu stützen und zu erden.

Der stille Weg durch die Schlucht an den Kraftort mit der Einsiedelei liess uns immer mehr eintauchen und das Fliessen des Wassers dem Pfad entlang und die Übergänge bei den Brücken wurden zum Bild für den Wandel. Das gemeinsame Singen in der Verenakapelle war sehr stimmig. Im anschliessenden Gespräch konnten wir die Eindrücke vertiefen.
Gemäss der Agenda soll dieser Tag jährlich durchgeführt werden. Das bedeutet, dass die regionalen Veilleuse-Gruppen, die durchs Jahr miteinander unterwegs sind und arbeiten, sich zusammen zu einem Anlass finden, zu dem interessierte IP-Mitglieder eingeladen und willkommen sind. Programm und Datum sind auf der Website der IP zu gegebener Zeit abrufbar.

Nächster Meditationstag der Veilleuse: Samstag, 26. Oktober 2019

Ruth Bänziger (IP Veilleuse)

Ein IPler in der Realpolitik – Aufruf zur Begegnung

Seit dem 1. Juli bin ich als Gemeinderat in der kleinen Gemeinde Boniswil am Hallwilersee tätig. Dazu kam ich wie die Jungfrau Maria zu ihrem Kind. Niemand wollte sich offiziell für das freigewordene Amt bewerben. Schliesslich kam es zu einer freien Wahl, bei der jede stimmberechtigte Person des Dorfes wählbar war. Ich ging zu meinem Nachbarn um ihn zu bewegen, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen. Er lehnte ab. Also begann ich für mich selber zu werben und der Verein „Zukunft Boniswil“ unterstützte spontan mein Unterfangen. Das absolute Mehr (über 50% aller Stimmen) erhielt ich bereits im ersten Wahlgang. Somit bin ich wohl der erste offizielle IPler in einem politschen Amt dieser Art.

Was bedeutet aber das und was ist das IP-Spezifische daran? Wie lässt sich der ganzheitliche und achtsame Moment in einer Exekutive überhaupt verwirklichen, wenn bereits so vieles vorgespurt ist? Diese Frage beschäftigte mich von Beginn an. Natürlich schaue ich alles aus einer etwas anderen Brille an, z.B. aus einer eher ökologisch-spirituellen Sicht. Was hat das aber mit der kleinen Begrüssung zu tun, die ich am Nationalfeier-Brunch ausrichten durfte? Was hat das mit dem Ausbau einer Kantonsstrasse zu tun oder meinem Mitwirken in der Fernsehgenossenschaft, in der ich automatisch wie auch unerwartet im Vorstand mitwirken darf? Wie kann ich die Haltung von Suffizienz einbringen und wo ist achtsame Stille möglich?

Ich möchte hier ein paar kleine Antworten wagen. Zuerst möchte ich aber vorausschicken, dass das Kollegium des Gemeinderates mir sympatisch ist. Es sind vier Mitstreiter*innen, denen ich ihre politische Couleur kaum anmerke. Ich begegne echtem Wohlwollen, welches von Interesse und Offenheit getragen ist. Und manche tragen ein integrales Bewusstsein in sich, ohne dass sie es mit diesem Etikett versehen. Wie kann aber ich mich integral einbringen? Hierzu zwei Schwerpunkte, die mir wichtig sind:

  1. In der täglichen Sachpolitik suche ich eine Haltung, die unvoreingenommen ist. Ich lasse mich nicht von Schwarz-weiss-Denken mitreissen, sondern von meiner Sorge fürs Ganze. Dabei achte ich auf meinen Körper, wenn es um Entscheidungen geht, und nicht auf vorgespurte Meinungen. So bin ich glücklich, dass unsere Asylsuchende ein von der Geminde gekauftes und sanft renoviertes Häuschen bewohnen können, reagiere aber kritisch, wenn ihnen alle Tagesprobleme abgenommen werden, sie also nicht selber etwas strampeln müssen, um ein Problem zu lösen. Ich will nicht, dass sie sich uns ausliefern und dabei entmündigen lassen, auch wenn dies zuerst manchal einfacher ist. Es geht mir hier um das Gefühl von Würde und der Zumutung, dass selbstbestimmte Begegnungen in der Fremde einen Schritt von beiden Seiten abverlangen.
  2. Der Schritt in ungewisse Begegnungen wird auch von mir gefordert. Diese Woche hatten wir Gemeindeversammlung. Die Mehrheit der Anwesenden äusserten sich wohlwollend zu einem Begegnungsplatz, der für Kinder und Familien projektiert worden war, aber mir fielen mehrere junge Männer auf, die teilweise bitter das Projekt bekämpften. Einer unter ihnen äusserte sich auch sehr kritisch gegenüber den neu gewählten Gemeinderäten, die nichts anderes als fremdgesteuerte Marionetten seien. Ringend rief er in den Saal: „Ich bin enttäuscht!“ Nach der Versammlung machte ich mich auf, um ihn kennenzulernen. Mein Kopf sagte mir zwar, dass ich ihn nicht ernst nehmen sollte, in meinem Bauch verspürte ich aber echte Neugier nach einer Begegnung mit diesem Menschen, der mich so eindeutig als Feind ausmachte. Leider war dieser junge Mann bereits weg, aber es gab auch noch die anderen Männer, die mich misstrauisch beäugten und mir offensichtlich nicht wohlgesinnt waren. Einigen gab ich die Hand und suchte das Gespräch. Es war kein einfacher Moment, denn auch in mir tönte eine Stimme die mir sage: „Mit denen willl ich nichts zu tun haben!“ Ja, ich hätte unter „Meindesgleichen“ bleiben und die andere Seite meiden können. Das wäre für mich einfacher gewesen. In meinem Bauch verspürte ich aber diese Neugier und die Lust nach Begegnung. Also machte ich mich auf, um vermeintlich feindliche Hände zu schütteln. Es waren aber keine Feinde, denen ich begegnete. Es waren Menschen wie du und ich, die zuerst etwas widerwillig, sich dann aber zunehmend erfreut auf mich einließen.

Ich glaube, dass solche Begegnungen verändern. Mein Gegenüber und auch mich. Die Transformmation kann nur in Begegnungen stattfinden, auch die integrale Transformation zu einer ganzheitlichen und lebensdienlichen Gesellschaft.

Marc Schmuziger (IP Vorstand)