Geld verdienen ja – aber mit Anstand

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Swiss Ethics Award am 21. Mai 2014 in Luzern - www.swiss-excellence-forum.ch

Von Cécile Cassini

Am letzten Mittwoch durfte ich am „Swiss Ethics Award“ 2014 im KKL Luzern teilnehmen, wo fünf hervorragende ethische Projekte vorgestellt wurden und das Projekt der Migros „Tierwohl: Schweizer Standards auch für importierte tierische Produkte“  gewann. Es war eine sehr hochkarätige Veranstaltung mit  beindruckenden, seit Jahren bewährten, mutigen und innovativen Projekten:

  • Coop Naturaplan hat seit 20 Jahren Bio salonfähig gemacht  – wodurch  viele Landwirtschaftsbetriebe im In- und Ausland ein wirtschaftlich tragfähiges, ökologisches und sozial nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln konnten. www.naturaplan.ch
  • Chocolats Halba – Kakaoprojekt Honduras engagiert sich vor Ort mit einer Tochterfirma für langfristigen, qualitativ hochwertigen Kakaoanbau. Durch Abnahmeverträge, faire Preisgarantien, Ausbildungsprogramme, Investitionen und Diversifizierungen garantiert dies 1000 Kleinbauern eine sichere Existenz. www.chocolatshalba.ch
  • Heineken Switzerland AGBrewing a better future – Nachhaltigkeitsprogramm mit den Schwerpunkten: Umwelt, Mitarbeitende und Gesellschaft, Genuss mit Verantwortung.
  • Knecht & Müller AG Einführung und Umsetzung einer nachhaltigen Geschäftsstrategie, diese basiert auf den sechs Stossrichtungen Effektivität, Effizienz, Ressourcenpflege, Schutz vor Belastungen, Gerechtigkeit und Solidarität.  www.knecht-vision.ch
  • Migros Tierwohl: Schweizer Standards auf für importierte tierische Produkte: für alle Produkte aus der Fleisch-, Milch- und Eierproduktion. Das Projekt im Rahmen von Generation M verlangt grössere Anpassungen innerhalb der Wertschöpfungskette und wird Schritt für Schritt bis 2020 umgesetzt. Beeindruckend war, dass sie nicht einfach den Lieferanten künden, sondern diesen die nachhaltigen Standards lehren. www.migros.ch/de?ForceMigrosClassic=1&adwordssort=standard&gclid=CMXrwumFxb4CFennwgodFicAIQ

Hochstehende Referate

  • Elmar Mock, Miterfinder  von Swatch und Präsident der Creaholic AG:
    Kreativität zeige sich zuerst gasförmig über Träume und Phantasie, äussere sich  dann im flüssigen Zustand über Blut, Schweiss und Tränen und  führe schlussendlich  im kristallinen Zustand über Logik, Effizienz, Entwicklung und Konzentration zur Verwertung. Sein dringlicher Aufruf war es, schon früh über die Zukunft „des Kindes“ nachzudenken, sorgfältig auszuwählen und ein gutes Umfeld aufzubauen und die notwendige Kreativität nicht durch Dogmen zu ersticken: „Die Zukunft muss menschengerecht sein, d.h. ethisch“ war sein dringlicher Appell. http://creaholic.com/ueber-uns/team/Mock-Elmar
  • Pierre Vincenz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisen Gruppe:
    Die Ethik in der Schweizer Wirtschaft hat sich weiter entwickelt. Die Schweiz hat von 4‘000 Milliarden Schwarzgeld profitiert und nun wird das mit dem Bankgeheimnis brutal ernst. Die Schweiz wehrte sich gegen den automatischen Informations-Austausch und die Weissgeldstrategie und wird nun verspätet darauf zurückgeworfen. „Wir waren Schwarzgeld gewohnt und haben gut damit gelebt, heute nimmt das keiner mehr“. Von genossenschaftlich organisierten, fair handelnden 306 Raiffeisenbanken mit ihrer höchst transparenten Lohnpolitik (er verdient 2.5 Mio) bis zu den undemokratischen Bestimmungen der Nationalbank war ich von ihm gleichzeitig enorm beeindruckt und leicht verwirrt. Er zeigte auf, dass die Schweizer Wirtschaft auf dem richtigen Weg ist, mahnte jedoch, dass sich die Politik vermehrt für den Finanzplatz Schweiz interessieren sollte, da dieser zu wichtig sei für die Schweiz. www.raiffeisen.ch/web/pierin+vincenz
  • Prof. Dr. René Prêtre, Kinder-Herz-Chirurg:
    Prêtre zeigte eindrücklich auf, welche enormen ethischen Entscheide die heutige Chirurgie- und Medizinal-Technik fordert.  Zeit und Ort sind ethisch  massgebend. So müssen heute Entscheide gefällt werden für Hilfsleistungen, die vor 10 Jahren noch nicht denkbar gewesen wären. Ausserdem fallen diese Entscheide in der Schweiz nach ganz anderen Kriterien  aus, als z.B. in Mocambique, wo Prêtre zwei Mal pro Jahr zusammen mit Kollegen unentgeltlich Kinder operiert.
    www.hopitalduvalais.ch/de/spital-wallis/news/news/date/2013/10/16/detail/le-prof-rene-pretre-a-lhopital-de-sion-518.html 

Die Vertiefung der Ethik scheint mir ein Hauptanliegen unserer Zeit zu sein. Mit der Verleihung des Swiss Ethics Award wird das gelebt und gefördert. Der Leitsatz „Geldverdienen ja, aber mit Anstand“ bringt bewundernswerte und vor allem sehr konkrete ethische Projekte.

Ein Kommentar zu “Geld verdienen ja – aber mit Anstand

  1. Sehr schön. Das Integrale in einem gasförmigen Zustand. An wenigen Orten ist es bereits flüssig und ansatzweise kristallin. Möge es durchdringen, fliessen und wachsen.