Abstimmen in der Schweiz

poker

von Monique Centeno:

Der Bundesrat hat angekündigt, dass er die Umsetzung der Volks-Initiative zur Masseneinwanderung konsequent durchführe. Und schon verbreiten die Tenöre der SVP ihre Wut, aus Angst, dass ihre eigene Initiative sich gegen ihre wahren Absichten richte.

Kommen wir zur Abstimmung vom 9. Februar 2014 zurück, Eine Mehrheit der Leute hatte genug (in den Grenzgebieten Tessin und Genf) und ihre Furcht ihre Privilegien zu verlieren gezeigt. Aber viele Bürger und Bürgerinnen hatten keine Ahnung von den tatsächlichen Auswirkungen ihrer Stimme. Viele erfuhren die Folgen wie ein Schlag ins Gesicht. Wie kommt es, dass so viele Menschen nicht vor der Abstimmung wussten, was die Probleme und deren Konsequenzen wirklich bedeuteten?

Pragmatisch, können wir antworten: obwohl wir um unsere Demokratie in der Welt beneidet werden, wird diese ernsthaft untergraben durch die Tatsache, dass viele von uns nicht mehr wissen, wie abzustimmen. Nicht weil die Menschen dumm sind, sondern weil die Vorlage so genaue Kenntnisse erfordert, dass wir nicht wirklich wissen, was zu entscheiden ist oder die Formulierung der Initiative oder des Referendums ist so, dass es gleichzeitig mehrere Themen auf verschiedenen Ebenen berührt, manchmal widersprüchlich, oder weil die Debatten, die die Politisierenden und die Medien aus unterschiedlichen Hintergründen verwenden nur einen Teil der Wirklichkeit beleuchten und das im Schatten lassen, was den einfachen Bürgerinnen und Bürgern erlaubt hätte, ihr Nachdenken zu vertiefen. Das ist es, was am 9. Februar auch passiert ist. Viele wollten einmal «auf den Tisch hauen», ohne die tatsächlichen Auswirkungen dieser Abstimmung zu kennen. Es ist wie Poker spielen.

Warum haben so viele Menschen (wieder einmal) aus Furcht abgestimmt?

Für mich ist die entscheidende Frage nicht ob das Ja oder Nein an diesem Tag gewonnen hat, aber aus welchem Grund diese Entscheidung getroffen wurde. Seit Jahren werden wir durch die Angst vor dem Mangel beherrscht, trotz echter Verbesserungen in der Lebensqualität in vielen Bereichen. Die Illusion der Allmacht durch die Beherrschung des Materiellen durch rationales Denken hat unsere Gesellschaft einen wichtigen Aspekt vergessen lassen, der in der öffentliche Bildung und in der Familienerziehung verloren gegangen ist: Die Entwicklung zu einem erwachsenen, verantwortlichen und bewussten Wesen.

Was können wir tun, um im Einklang mit der Vision einer integralen Gesellschaft zu stimmen?

  • Einer der Punkte ist es individuell zu klären, welche Gesellschaft wir entstehen sehen wollen. Und dann unsere Verantwortung übernehmen, das heisst, über das Wunschdenken hinaus, eine echte Wahl treffen. Das bedeutet, dass wir persönlich im Alltag eine verantwortliche Position in vielen Bereichen übernehmen, nach unserm Massstab – und so an Integrität für unsere Wahl gewinnen.
  • Wir haben viel über unsere Verbindung zu allem und zum Leben zu lernen. Sehr oft sind wir in der Lage, uns eine schöne Vorstellung davon zu machen, oder zumindest in Momenten der Verinnerlichung davon berührt zu werden. Wir können lernen, diese Verbindung jederzeit in allen Situationen zu fühlen. Dies ist der entscheidende Ausgangspunkt, um wirklich zu fühlen, dass wir kein Interesse haben, uns von der Welt zu isolieren, noch zu glauben, dass wir besser sind, weil einige Indikatoren uns dies glauben machen wollen. Was in Afrika passiert ist auch ein Teil von uns und was in Europa passiert betrifft auch uns. Wir können uns nicht mit den Gedanken entlasten: «Es ist ihr Geschäft, und es ist ihre Schuld.»

Die IP hatte schon immer die Stärke, um deutlich zu sagen, zu welcher integralen Gesellschaft sie hin will, auch zum Preis, manchmal als Partei/Bewegung als utopisch und naiv angeschaut zu werden. Ich habe Anspruch auf diese Utopie. Ich fordere auf dies weiterhin zu wagen, auch wenn unsere Vision sich noch nicht auf die Realität von heute bezieht. Die IP befindet sich mit einer unendlichen Anzahl von Gruppen und Organisationen auf dem Weg zur Öffnung, um zu ermöglichen dass wir unsere Glaubenssysteme zu neuen Horizonten erweitern. Dies gibt jedem/jeder die Kraft sich immer besser für Projekte einer neuen Gesellschaft einzusetzen, ihnen die Energie einzuflössen, die ihnen Leben gibt. So werden die Gründe ein Ja oder ein Nein in der Urne einzugeben auf neuen Grundlagen unterstützt.

3 Kommentare zu “Abstimmen in der Schweiz

  1. Intéressant cette réflexion sur les votations. Certes le choix d’un oui ou du non dans l’urne est guidé par cette peur du manque (ce qui est quand même paradoxal pour un peuple qui a peu souffert du manque durant la dernière guerre mondiale contrairement à ses voisins…) mais peut-être aussi par la peur du changement et le confort de l’immobilisme. Pourquoi changer une façon de penser et d’agir qui a amené à ce pays sa prospérité et son succès? Une partie de la population ne veut pas voir que le monde a changé et que les vieilles recettes ne fonctionnent plus.
    C’est une chance que PI nous ouvre les yeux pour éveiller notre envie d’autres solutions, d’autres possibles.
    Florence Marti Hildebrandt

  2. Liebe Monique Centeno,
    Ich danke Ihnen für Ihren differenzierten Beitrag zum 9. Februar und zur IP im allgemeinen. Ich habe letzthin moniert (siehe meinen Beitrag – zum Wunder eines WIR – an Fredy Kradolfer), dass die IP zu wenig realpolitischen Bezug habe, Sie haben mich nun eines Besseren belehrt.
    Verbundene Grüsse
    Christoph Reinhardt

    • Lieber Christoph
      ich weiss nicht, ob wir uns schon einmal begegnet sind. Jedenfalls freue ich mich an Deinem Interesse an realpolitischer integraler Politik. Als Leiter des Politischen Ausschusses erlaube ich mir, Dich deswegen zu unserer nächsten Sitzung einzuladen. Sie findet am Mittwoch 13. August in Olten statt. Das Thema werden die beiden Vorlagen sein, die dem Souverän am 28. September zur Abstimmung vorgelegt werden. Du könntest da miterleben worüber Monique in ihrem Blogbeitrag spricht. Wenn Du kommen möchtest, schreib mir bitte ein Mail an
      gary.zemp@integrale-politik.ch
      Ich würde mich freuen!
      Gary Zemp